Handwerk mit hERz

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Michael Hoffschroer ist Handwerk durch und durch. Aber anders wie bei seinem Nachnamen, fehlt ihm das „er“ bei Handwerk. Richtig, Michael ist kein Handwerker und hat auch nie einen Handwerksberuf erlernt. Das dies der Leidenschaft und dem Fachwissen für das Handwerk aber keinen Abbruch tut, zeigt nicht nur sein Werdegang.

Schon während des Studiums als Studentische Hilfskraft am Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk tätig und als Dozent bei verschiedenen Trägern der handwerklichen Berufsbildung. Es folgten mehrere Jahre in der Abteilung Berufsbildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks und seit 2010 ist Michael Hoffschroer als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg tätig.

Also ziemlich viel Handwerker wie ich finde und vermutlich hat Michael sich das „er“ auch nur für seinen Blog aufgehoben, den er seit November 2018 betreibt. Handwerksmacher heißt das gute Stück. Dort dreht sich alles um das, was uns im Handwerk und Management bewegt. In einem seiner jüngeren Beiträge überraschte Michael mit der Aussage „das Handwerk ist gerade dabei, sich selbst abzuschaffen!

 

Dr. Michael Hoffschroer – Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg

& leidenschaftlicher Blogger für Themen um und für das Handwerk

Interview mit Michael

MemoMeister: Michael, deine Einschätzung warum das so ist kann man ebenfalls auf deinem Blog nachlesen. Was mich aber interessiert, wie war die Resonanz auf diese doch recht direkte Aussage?

Michael: Erstmal war die Resonanz riesig. Für einen jungen Blog wie den meinen sind über 200 Aufrufe des Artikels in wenigen Tagen schon eine tolle Motivation. Inhaltlich habe ich auf den Artikel wie erwartet sehr gemischte Reaktionen erhalten: große Zustimmung und vehemente Ablehnung. Da glaube ich wird die Bandbreite deutlich, die in den Handwerksunternehmen vorhanden ist. Die Wenigen, die z.b. Plattformökonomie zum Kern ihres Geschäftsmodells machen einerseits und die, die immer noch eher ein Fax verschicken als eine E-Mail zu schreiben andererseits.

MemoMeister: Ein Kunde unseres Tools hat mir einmal gesagt: „wissen Sie Herr Krieg, früher haben wir bei einem Auftrag noch links und rechts geschaut ob etwas demnächst erneuert gehört, um Folgeaufträge zu generieren. Heute machen wir das nicht mehr, da wir sowieso nicht mit der Arbeit hinterherkommen.“ findest du diese Denkweise ist zu blauäugig?

Michael: Die Denkweise zeigt die größten Probleme, die wir im Handwerk aktuell haben, noch vor Fachkräftemangel, Bürokratie- oder Steuerbelastung. Selbstzufriedenheit und Angst vor Veränderungen. Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten muss ich doch bereit sein, neue Wege zu gehen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aber wir erleben nicht nur bei den Unternehmerinnen und Unternehmern sondern auch bei den Mitarbeitenden gerade immer wieder, dass man sich hinter der guten Auftragslage versteckt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich weiterzubilden oder Prozesse im Unternehmen neu zu denken.

Außerdem denken viele Handwerksunternehmer heute immer noch in erster Linie fach- und nicht vertriebsorientiert, deshalb werden zahlreiche innovative und erfolgreiche Handwerksunternehmen heute auch bereits von Personen geführt, die eher aus dem Marketing, der Softwareentwicklung oder dem Bereich der Prozessoptimierung kommen.

MemoMeister: Wie sollte man aus deiner Sicht gerade in Zeiten mit vollen Auftragsbüchern damit umgehen?

Michael: In erster Linie müssen die Unternehmensführungen in diesen Zeiten sensibel sein, für die rasanten und tiefgreifenden Veränderungen, die wir gerade erleben und häufig mit dem Begriff Digitalisierung bezeichnen. Denn nur wenn ich sensibel für diesen Megatrend bin, kann ich überlegen, wie ich mit meinem Unternehmenszweck, meinem Mitarbeiterteam, meinen Kunden, meinen Produkten etc. in Zukunft erfolgreich sein kann und welche Veränderungen dafür nötig sind. Dabei ist mir der Handwerker, der bewusst seine analoge Nische sucht und findet genauso lieb, wie der, der eine klassische handwerkliche Dienstleistung digital transformiert und erfolgreich am Markt platziert.

MemoMeister: Welche Rolle siehst du dabei für die Kreishandwerkerschaft?

Michael: Für die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg kann ich sagen, dass wir als Dienstleister und Repräsentant des regionalen Handwerks diese Veränderung aktiv begleiten und das Bild vom modernen Handwerk sowohl intern als auch extern mitgestalten wollen. Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir die Imagekampagne des Deutschen Handwerks aktiv begleiten und intensiv in den sozialen Medien umsetzen. Aber auch, dass wir uns überlegen, ob die Kreishandwerkerschaft im Rahmen des Big-Data-Managements neue Dienstleistungen für unsere Mitglieder entwickeln und anbieten kann.

Gerade kreative Innungen und Kreishandwerkerschaften können zum Gewinner der Digitalisierung werden, wenn es uns in einem ersten Schritt gelingt, die Innungsbetriebe zu sensibilisieren, für die Auswirkungen der Digitalisierung und die Geschwindigkeit, die diese Veränderungen in den Märkten mit sich bringen. Denn nur wenn unsere Betriebe aktiv werden, können wir die fatalen Risiken vermeiden und die großen Chancen der Digitalisierung nutzen. Weitere Ideen dazu findest Du auch in einem meiner Blog-Artikel Innungen: Gewinner der Digitalisierung in den Handwerksunternehmen.

An dieser Stelle vielen Dank Michael für das Gespräch und wir verfolgen gespannt, was bei dir und der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg im Bereich Digitalisierung noch so passiert.

Auch wir von MemoMeister können unseren Teil dazu beitragen

Das Gespräch mit Michael hat auch uns von MemoMeister nochmal gezeigt, wie wichtig es im Zusammenhang mit Digitalisierung ist, nicht nur einen Vorteil für das jetzt und hier zu schaffen, sondern den Handwerksbetrieben einen Vorteil für die Zukunft zu ermöglichen.

Die Informationsflut in den Griff zu bekommen und betriebliche Informationen an einem Ort in digitalen Baumappen für alle Beteiligten sauber, strukturiert und nachvollziehbar zusammenzuführen und zur Verfügung zu stellen ist ein wichtiger und richtiger Schritt! Aber es geht auch darum Handwerksbetrieben die Kundenbindung zu vereinfachen bspw. durch das Teilen der digitalen Baumappe mit dem Kunden, schafft man Transparenz und Vertrauen. Der Kunde, Bauherr oder auch Architekt ist so immer im Bilde und kann wahlweise über einen digitalen Zugang auch direkt dem Projekt hinzugefügt werden. Mit der Erstellung eines Berichtes aus den Bildern und Beschreibungen hat man schnell mit einem Klick ein Dokument, welches nachvollziehbar das Projekt darstellt.

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